7.8.2 Erstellen eines Destillate-Plakates14

Beschreibung/
Vorgehen

Ein Destillate-Plakat ist ein Plakat auf dem alle Untergliederungen eines zu behandelnden Stoffgebietes aufgelistet sind. So erhalten die Lernenden einen Überblick, wie das Unterrichtsthema gegliedert ist und welche Aspekte behandelt werden. Das Plakat hängt während der gesamten Bearbeitungszeit des Unterrichtsthemas sichtbar im Seminarraum. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen sind aufgefordert, im Laufe der Zeit zu jedem Unterkapitel ihre wichtigsten Erkenntnisse dazu als "Destillate" zu schreiben oder als Symbol zu zeichnen.

Das Plakat wird mit Beginn des neuen Stoffgebietes eingeführt. Diese Methode ist geeignet, die Selbstorganisation der Lernenden zu erleichtern, da die Zwischenüberschriften die Möglichkeit bieten, einen Unterpunkt systematisch in das Stoffgebiet einzuordnen. Das ständige Vor-Augen-Haben der wichtigsten Wissensdetails hat außerdem einen Wiederholungseffekt. Die Lernenden beschäftigen sich handelnd mit den Inhalten der Unterpunkte, wenn sie ihre eigenen Erkenntnisse formulieren um sie als Destillate aufzuschreiben. Ein aktives Verstehen der Inhalte sowie der Zusammenhänge wird so gefördert.

Für die Arbeit mit dem Destillat-Plakat bieten sich mehrere Vorgehensweisen an, abhängig davon, wie die Einführung in das neue Thema erfolgt. Wann immer dies möglich ist, sollten die Teilnehmenden bereits bei der Einführung in ein neues Thema aktiv beteiligt werden. Hierzu gibt es eine Vielzahl von Methoden. So ist es möglich, die Lerner bereits bei der Festlegung der Unterpunkte des Themas einzubeziehen. Alternativ werden diese vom Lehrenden bzw. dem Lehrwerk vorgegeben. Die Unterpunkte werden zeilenweise auf ein (oder mehrere) Plakate geschrieben, so dass genug Platz für die Destillate ist (Unterpunkte).

Das Plakat wird gut sichtbar im Raum aufgehängt und bleibt über die gesamte Dauer der Erarbeitung hängen. Die Lehrkraft nimmt regelmäßig Bezug auf das Plakat und würdigt das Eintragen der Destillate. Es ist wichtig, den Lernenden genügend Zeit zu geben, ihre eigenen Erkenntnisse zu formulieren.

Bezug zu Aneignen, Erleben, Handeln

Gefordert werden die Aktivität und die Selbsteinschätzung der Lernenden. Diese sind zudem gehalten, ihren eigenen Lernprozess mit seinen Lücken und Erfolgen genau in den Blick zu nehmen und zu dokumentieren. Dies fördert die Selbstlernkompetenz.

Voraussetzungen

Es werden lediglich große Plakate und dicke Eddings für das Eintragen der Unterkapitel benötigt sowie evtl. bunte Klebepunkte für die Bilanzierung.

Umsetzungs-
erfahrungen

Eine Möglichkeit, mit diesem Plakat weiterzuarbeiten, ist das Vergeben von "Bilanzpunkten". Dies geschieht am Ende, wenn alle Unterpunkte des Themas behandelt wurden und bietet die Möglichkeit, dass unklare Teilaspekte erkannt und aufgearbeitet werden können. Die Lerner übertragen die Unterpunkte des Stoffgebietes in ihr Heft und vergeben zu jedem Abschnitt einen Bilanzpunkt (grün= kenne ich mich aus, gelb= bin nicht sehr sicher und rot= hier schwimme ich). Die Anzahl der grünen, gelben und roten Punkte je Unterthema wird per Handzeichen erfragt und auf dem gemeinsamen Destillate-Plakat vermerkt.

Variation

Variante A: Es werden nun die Fragen mit viel rot und gelb erneut im Unterricht aufgegriffen.

Variante B: Der Lehrer bildet zu den Unterpunkten Arbeitsgruppen mit einer guten Mischung aus Grün, Gelb und Rot, mit der Aufgabe einander die offenen Fragen zu klären. Der Lehrer kann als Hilfe angefordert werden.

[14] Hinweis und Mithilfe durch Annick Wilke (vgl. Thanhoffer/Reichel/Rabenstein 1992, S. 117, 116 und 113)


SELBST GELERNT HÄLT BESSER - SERIE 1 / Teil 2, "Konstruktivistische Didaktik & Methodik"
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