7.7.13 Reizwortanalyse

Viele Erfindungen waren so etwas wie "göttliche Geschenke" und entstanden dadurch, dass jemand eine zufällige Beobachtung machte, die sich entweder als Schlüsselbaustein für ein noch ungelöstes Problem erwies oder die Chance zu einer sinnfälligen Innovation offenbarte.

Tatsächlich stand der Zufall bei weit mehr Erfindungen und Innovationen Pate, als ihre Schöpfer bereit waren einzugestehen. Und man kann den Eindruck gewinnen, dass die "Erscheinungen" in unserer Umwelt, mögen sie natürlichen oder künstlichen Ursprungs sein, im Überfluss Lösungen für unsere Probleme bereithalten – wenn wir nur willens und in der Lage sind, sie wahrzunehmen.

In diesem Sinne will uns die Reizwortanalyse veranlassen, uns mit Dingen und Ereignissen unseres Umfeldes bewusst und aufmerksam auseinander zu setzen, um in diesen möglicherweise etwas zu entdecken (ein Prinzip, einen Ablauf, ein Gestaltelement), das eine Idee anstößt. Die Auswahl jener Dinge, aus welchen wir Anregungen erhoffen, erfolgt keinesfalls spekulativ, sondern absichtsvoll.

Vorgehensweise

  1. Sorgfältige Analyse und Definition des gestellten Problems

  2. "Abladen" aller spontan verfügbaren Ideen (Kurzbrainstorming)

  3. zufällige Sammlung einer kleinen Kollektion (5 bis 7) von Reizwörtern

  4. Analyse des ersten Reizwortes (Zufallsobjektes) und Auflistung der dort gefundenen

  5. Eigenschaften
  6. Funktionen
  7. Abläufe
  8. Formen
  9. Gestalten
  10. Anordnungen
  11. Handhabungen

  12. Rückkopplung (bisoziative Verbindung) der Reizwortelemente zum gestellten Problem mit der Frage, ob sich daraus Ideen oder Lösungsansätze ergeben. Je flexibler, vielseitiger und spielerischer diese bisoziativen Vorgänge erfolgen, desto reichhaltiger und kreativer wird das Ergebnis sein.

  13. Wiederholung der Schritte 4 und 5, bis alle Reizwörter durchgearbeitet sind.

Bei technischen bzw. körperlich-gestalthaften Problemen sollten die Reizobjekte möglichst gegenständlicher (einschließlich der gesamten Natur und ihrer Lebewesen) Art sein, da sich sinnhafte Elemente (z.B. "Vaterland") sehr häufig nicht mit technischen Gebilden (z.B. Entwicklung einer Dosiereinrichtung) verbinden lassen.

Bei strategischen, Verhaltens-, Kommunikations- und ähnlichen (nicht-technischen) Problemen sind Ereignisse und Geschehnisse aus dem Gesellschaftsleben von Gegenwart und Geschichte als Reizobjekte gut geeignet, ebenso wie z.B. Filme, Romane, Märchen und Mythen. Die Reizwortanalyse kann sowohl von einzelnen Personen wie auch von Kreativ-Gruppen angewandt werden.


SELBST GELERNT HÄLT BESSER - SERIE 1 / Teil 2, "Konstruktivistische Didaktik & Methodik"
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